Magersucht bei Frauen

Bedingt durch die gesellschaftlichen Ideale der westlichen Welt ist der Wunsch nach einer schlanken, attraktiven Figur im Bewusstsein der meisten Frauen fest verankert. Regelmäßige Diäten gehören daher für viele zur Lebensnormalität dazu. Wenn der Wunsch abzunehmen langfristig über den Verlust einiger überflüssiger Pfunde hinausgeht und in krankhaftes Hungern ausartet, spricht man von Magersucht. Die Krankheit geht mit einer zunehmenden Verschiebung der Selbstwahrnehmung einher, durch die sich die Betroffenen immer noch als dick empfinden, obwohl ihre Umwelt sie bereits als stark abgemagert wahrnimmt. Oftmals endet Magersucht auf diese Weise schließlich in einem lebensbedrohlichen Zustand von Unterernährung. Bei einigen ist der Wille zu hungern so stark, dass auch ärztliche Betreuung den tödlichen Ausgang der Krankheit nicht abwenden kann. Bei schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der Betroffenen führt Magersucht aus diesem Grund schließlich zum Tode. Eine rechtzeitige psychologische Behandlung ist daher unerlässlich, um die Krankheit zu stoppen. Allein in Deutschland schätzt man die Zahl der Magersuchtsfälle auf circa 100.000, wobei eine hohe Dunkelziffer anzunehmen ist, da normalerweise nur die extremen Fälle medizinisch und psychiatrisch betreut werden.

Erstes Symptom von Magersucht ist meist, wenn eine Frau sich ununterbrochen mit ihrem Gewicht beschäftigt, dabei tatsächlich immer weiter abnimmt und ihre Körpermasse mindestens 15 Prozent unterhalb des Normalgewichts liegt. Der Gewichtsverlust wird gewaltsam mit radikalem Hungern, aber auch mit Hilfe von Abführmitteln, Erbrechen oder exzessiver sportlicher Betätigung herbeigeführt. Folgen dieses Raubbaus mit dem eigenen Körper sind akuter Vitamin- und Nährstoffmangel, der bis zum Versagen von Herz, Leber und Nieren führen kann. Die Beschwerden reichen von Haarausfall, Stoffwechselstörungen mit Ausbleiben der Periode und Depressionen über Durchblutungsstörungen, Osteoporose und Herzrhythmusstörungen.

Gründe für die Entstehung der Krankheit gibt es viele, doch nimmt Magersucht sehr häufig in der Pubertät ihren Ausgang und betrifft nach wie vor hauptsächlich Mädchen. So ist die Gewichtszunahme in dieser Entwicklungsphase für viele mit einer großen identitätsmäßigen Unsicherheit und einer Ablehnung ihrer entstehenden weiblichen Körperform verbunden. Sie versuchen dann, die zusätzlichen Kilos wieder loszuwerden.

Geprägt von den extremen Figurmaßen mancher Stars oder Models glauben viele zudem, ihre Beliebtheit und Attraktivität mit dem Erreichen eines bestimmten Figurideals steigern zu können. Da Schlanksein in unserem Kulturkreis positiv bewertet wird, gelingt es in vielen Fällen zunächst auch, die gewünschte Aufmerksamkeit zu erlangen, was zu weiteren Hungerexzessen Ansporn gibt.

Mädchen und Frauen neigen außerdem oft dazu, die Schuld für persönliche Niederlagen wie eine gescheiterte Beziehung in einem vermeintlichen Übergewicht zu suchen.

Sexueller Missbrauch und andere Traumatisierungen sind ebenfalls häufige Auslöser für die Entstehung einer Magersucht bei Mädchen. Auch familiäre Konflikte und Vernachlässigung können bei manchen Betroffenen den Wunsch auslösen, durch ihre Krankheit endlich Aufmerksamkeit für ihre Probleme zu erlangen. In der psychoanalytischen Theorie liegt die Ursache für Magersucht in einer gestörten Mutter-Tocher-Beziehung, bei der die Gewichtskontrolle ein Versuch ist, sich aus der als stark empfundenen Abhängigkeit von der Mutter zu lösen. Allerdings betrifft Magersucht längst nicht nur junge Mädchen. Die hohen Anforderungen, die heute beruflich und privat an Frauen gestellt werden, verbunden mit dem Wunsch, auch im fortgeschrittenen Alter noch Aktivität und Jugend auszustrahlen, führen mittlerweile bei immer mehr älteren Frauen zu einem gestörten Essverhalten.

Bildquelle:http://www.pixelio.de/Claudia Hautumm

2 Kommentare zu “Magersucht bei Frauen”

  1. […] Erbrechen, teils auch durch Missbrauch von Abführmitteln und exzessiven Sport. Im Gegensatz zur Magersucht müssen Ess-Brech-Süchtige nicht zwangsläufig untergewichtig sein. Allerdings gibt es häufig […]

  2. […] auch bekannt unter den Bezeichnungen Binge-Eating-Störung und Binge Eating Disorder, ist neben Magersucht und Bulimie eine weitere Form der Essstörung. Der Begriff „Binge“ kommt aus dem Englischen und […]