Krankhafte Veränderungen der Schilddrüse – ein Volksleiden

Die Schilddrüse sieht aus wie ein Schmetterling: von einem schmalen Gewebestreifen, der direkt vor der Luftröhre unterhalb des Kehlkopfes sitzt, gehen zu beiden Seiten zwei Gewebelappen ab, die den Flügeln eines Schmetterlings ähneln. Hauptaufgabe der Schilddrüse liegt in der Produktion diverser jodhaltiger Hormone, die sich auf Knochenwachstum und Stoffwechselvorgänge auswirken. Dazu benötigt sie Jod, das mit der Nahrung aufgenommen werden muss – genau hier beginnt das Problem.

Jodmangel

Deutschland ist heute Teil eines riesigen Jodmangelgebiets, entstanden beim Abschmelzen der Gletscher vor 12.000 Jahren nach der letzten Eiszeit. Diese wuschen das im Boden befindliche Jod ins Meer. Laut WHO sollen wir 200 Mikrogramm Job täglich zu uns nehmen, die Deutschen schaffen im Schnitt aber gerade mal 100 Mikrogramm. Um dem entgegenzuwirken wird Lebensmitteln oftmals Jod hinzugefügt, besonders bekannt ist hierbei das Speisesalz.

Volkskrankheit Schilddrüsenveränderungen

Trotzdem hat heute etwa ein Drittel, bei Personen über 45 Jahre sogar die Hälfte der Deutschen Grund, seine Schilddrüse einmal untersuchen zu lassen. Dies ergab eine Studie aus dem Jahre 2004, in der 99.117 Personen zwischen 18 und 65 Jahren untersucht wurden. Die Ergebnisse zeigen ganz eindeutig, dass Veränderungen der Schilddrüse keine Seltenheit sind: 33 % der Untersuchten wiesen einen kritischen Befund auf, also jeder Dritte.

Bei den Schiddrüsenerkrankungen wird zwischen verschiedenen Krankheitsbildern unterschieden. Am bekanntesten ist die Vergrößerung der Schilddrüse, auch genannt Struma. Ursache dafür ist eine zu geringe Jodaufnahme, auf den die Schilddrüse mit Zellwachstum reagiert, um das vorhandene Jod bestmöglich aufzunehmen. Die Therapie einer Struma ist die Gabe vom Schilddrüsenhormon Thyroxin und Jod, um den Jodmangel zu beheben, und die Schilddrüse wieder auf Normalgröße schrumpfen zu lassen. In 90 % der Fälle reicht dies aus, um die Vergrößerung zu behandeln.

In manchen Fällen ist aber nicht Jodmangel die Ursache für eine Veränderung, sondern eine von zwei Fehlfunktionen: eine Unter- oder Überfunktion. Erstere ist ungefährlich und leicht zu behandeln, nur die Symptome sind unangenehm: Erkrankte frieren mehr, fühlen sich schlapp und müde und leiden unter Verstopfungen sowie Gewichtszunahme. Schuld daran ist häufig eine Hashimoto-Entzündung, bei der Antikörper körpereigenes Schilddrüsen-Gewebe angreifen, so dass die Hormonproduktion sinkt. Behandlung hierbei ist ebenfalls eine Thyroxin-Gabe, da dies aber nur die Symptome und nicht die Ursache behandelt, müssen Patienten mit einer Unterfunktion oft lebenslang Thyroxin-Tabletten einnehmen.

Gefahrenpunkt Überfunktion

Ein guter Indikator für eine Fehlfunktion der Schilddrüse ist die TSH-Konzentration im Blut. Dies ist ein Hormon, das die Schilddrüse zur Bildung von Thyroxin stimuliert. Bei zu niedrigem Wert liegt eine Überfunktion vor. Die Symptome sind entgegengesetzt der einer Unterfunktion: die Patienten sind nervös und reizbar, ihnen ist warm, sie neigen zu Schweißausbrüchen und verlieren Gewicht. Wie bei der Hashimoto-Entzündung kann auch hier ein Autoimmundefekt Ursache sein: der Morbus Basedow, bei dem sich Antikörper gegen den TSH-Rezeptor auf der Schilddrüse richten. Folge ist eine übermäßige Stimulation des Organs, das mehr Hormon produziert als nötig und anwächst.

Besondere Risikofaktoren sind Rauchen und eine familiäre Disposition, aber auch traumatische Erlebnisse. Behandelt wird ein Morbus Basedow mit Thyreostatika, welche die Hormonproduktion blockieren. Bei der Hälfte der Patienten ist dies erfolgreich, die übrigen müssen noch mit einer Radiojod-Therapie – Verabreichung von radioaktivem Jod, das geziehlt gegen das Gewebe der Schilddrüse wirkt – behandelt werden oder im schlimmsten Fall mit einer Operation.

Heiße und kalte Knoten

Bei einer Schilddrüsen-Vergrößerung kann es zugleich noch zur Bildung von Knoten kommen. Als “heiße” Knoten bezeichnet man diejenigen, die unkontrollierbar Hormone produzieren. Zur Behandlung werden zuerst überbrückend Medikamente, dann eine Radiojod-Therapie angewendet. “Kalte” Knoten hingegen müssen operiert werden. Diese produzieren zwar weniger Hormone, doch steigt mit ihnen das Risiko einer Entartung zu Schilddrüsenkrebs, wie er in Deutschland jährlich etwa 5000 Mal auftritt. Bei der Operation wird stets die komplette Schilddrüse entfernt und danach mit einer Radiojod-Therapie behandelt.

[LL]

Bild: Lilo Kapp / pixelio.de

2 Kommentare zu “Krankhafte Veränderungen der Schilddrüse – ein Volksleiden”

  1. […] Für die Muskeltätigkeit, die Blutgerinnung und die Aktivierung einiger Enzyme und Hormone benötigt der Körper Calcium. Bei einem Mangel greift er auf die Calciumspeicher der Knochen zurück. Die Folge: die Knochen werden porös, d. h. löchrig. Ein Mangel an Vitamin D hat ebenfalls einen wesentlichen Einfluss auf den Calcium-Stoffwechsel. Zu wenig Bewegung, starkes Untergewicht oder Essstörungen, eine einseitige Ernährung und die Einnahme von Medikamenten sind weitere Faktoren, die sich negativ auf den Knochenstoffwechsel auswirken können. Die Osteoporose kann auch als Folgeerkrankung anderer Krankheiten auftreten, wie z. B. einer Überfunktion der Schilddrüse. […]

  2. […] geht somit oft mit Schilddrüsen- und Nebennieren- Störungen […]